Das Alte Rathaus Gundelsheim


Laut Bauplan wurde das erste Schulgebäude in dieser Weise errichtet (Staatsarchiv Bamberg, K 5 Nr. 43/II).
Bauplan des Distriktstechnikers Gustav Haeberle (Staatsarchiv Bamberg, K 5 Nr. 8243).
Das Alte Rathaus vor den Umbau- und Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2011
Das Alte Rathaus nach der Einweihung im Juli 2012

Luftbild von Adolf Nüsslein vom Juli 2012


Das heutige „Alte Rathaus“ war mehr als 100 Jahre die Gundelsheimer Schule. 1856 kaufte die Gemeindeverwaltung vom Bauern Johann Kraus und seiner Ehefrau Dorothea (Hauptstr. 9) ein ca. 170 m² großes Grundstück aus deren Garten als Schulbauplatz. Der Kaufpreis betrug 50 Gulden. Zur Bedingung machten die Verkäufer, dass die Zufahrt zu ihrer Scheune nicht verbaut werden dürfte.
Die Regierung von Oberfranken stellte fest, dass die Gemeinde Gundelsheim aufgrund ihrer finanziellen Belastung die Kosten für den Schulhausbau nicht allein tragen konnte und gewährte daher eine Summe von 500 Gulden als Unterstützung.

Anfang August 1857 wurde mit dem Bau begonnen, das Grundmauerwerk war bereits Anfang September fertig gestellt.
Die Fundamente im Keller wurden aus „gewöhnlichen Bruchsteinen“ und die restlichen Mauern bis zum Giebel aus Sandsteinquadern erstellt. Das Gebäude erhielt sieben große und zwei kleinere Fenster sowie zwei Dachkammerfenster. Die Schule, die Außentoiletten und die Holzlege bekamen ein doppelt eingedecktes Ziegeldach.
Der Schulzimmer mit einer Größe von 37,50 m² befand sich in der linken Hälfte des Erdgeschosses. Die Wohnung des Lehrers auf der gegenüberliegenden Seite bestand aus einem heizbaren Zimmer mit Schlafkammer und einer Dachkammer. Eine Küche war nicht vorhanden.
Die tatsächlichen Baukosten beliefen sich letztendlich auf 2.198,23 Gulden. Die offizielle Einweihung der Schule erfolgte am 15.8.1858.

Da die kleine Lehrerwohnung die Ansprüche des Lehrers nicht erfüllte, wurden schon 1869 erste bauliche Veränderungen und Erweiterungen an der Wohnung und am Schulhaus selbst vorgenommen. Man richtete eine Küche mit einem Kochherd ein. Das Wohnzimmer wurde durch Herausnehmen einer Wand vergrößert.

Obwohl die Schüler erst 1858 das neue Schulgebäude bezogen hatten, war es 30 Jahre später bereits wieder zu klein geworden. Das Schulzimmer fasste eigentlich nur 50 Schüler, obwohl die Schule im Schuljahr 1886/87 von 91 Werktagsschülern und 32 Sonntagsschülern besucht wurde. Ein Anbau an das Schulgebäude war nicht möglich, da sich die Nachbarn zu keiner weiteren Grundabtretung bereit erklärten und die Nähe der Ortsstraße eine Erweiterung nach Süden verhinderte. Eine sinnvolle Lösung schien das Aufsetzen eines Stockwerks auf das bestehende Gebäude zu sein, denn dadurch ergab sich ein Schulsaal für etwa 110 Schüler.
Im Dezember 1887 billigte das Bezirksamt Bamberg I das Aufsetzen eines Stockwerks auf die vorhandene Schule.

Im Schulbauprogramm beschloss der Gemeindeausschuss, das untere Stockwerk zu einer Lehrerwohnung mit drei heizbaren Zimmern, einer Küche und einem Speicher umzubauen. Im oberen Stockwerk sollte ein neues, großes Klassenzimmer entstehen. Auf dem Dachboden diente ein Bretterverschlag als Ersatz für das bisherige Dachzimmer. Das Dach sollte mit Schiefer gedeckt und mit einem Blitzableiter versehen werden. Die Aborte lagen außerhalb des Hauptgebäudes, mit dem sie durch eine Überdachung verbunden wurden, die auch zur Holzlege führte.
Der Bauplan sah überdies einen Treppenaufgang in die Schule von außen vor, der ebenfalls zum Dachboden führen sollte. Damit war der Zugang zur Schule nicht mehr identisch mit dem Korridor des Lehrers. Wichtig schien auch eine direkte Verbindung der Aborte mit dem Schulgebäude, damit die Kinder nicht mehr über den Hof laufen mussten. Statt des bisherigen Satteldachs sollte die Schule ein Walmdach erhalten. Außerdem plante man, den alten Dachreiter, der die Gemeindeglocke trug, durch einen neuen zu ersetzen. Der aufgesetzte Stock sollte in Backsteinbauweise mit steinernen Fenstereinfassungen erfolgen.
Der Baubeginn war geplant für das Frühjahr 1888, vorausgesetzt die Regierung übernahm die Hälfte der Baukosten, die inzwischen auf rund 6.200 Mark berechnet wurden. Die restlichen Mittel sollten durch eine Kapitalaufnahme gedeckt werden.
Im Oktober 1888 war das neue Schulhaus fertig gestellt. Geringe Nachbesserungen wurden in den nächsten Wochen noch erledigt. Zur Anbringung eines Treppengeländers an der Haustreppe konnte man sich nicht entschließen, da an dieser Stelle die Straße zu eng war, so dass das Geländer von vorbeifahrenden Fahrzeugen beschädigt werden würde.
1889 konnte das recht kleine Schulgrundstück schließlich doch noch erweitert werden. Die Witwe Dorothea Kraus, die bereits den ursprünglichen Schulbauplatz an die Gemeinde verkauft hatte, trat einen Teil ihres Gartens hinter der Schule an die Gemeindeverwaltung ab.
Das Gebäude wurde bis 1963 als Schulhaus genutzt; erst dann konnte das heutige Schulgebäude an der Schulstraße bezogen werden.

Bereits während der Nutzung als Schulhaus wurde das Gebäude auch anderweitig genutzt: Seit Mitte der 1950er Jahre fanden alle 2 Wochen evangelische Gottesdienste im großen Schulsaal des Schulhauses statt, bei denen die Gottesdienstbesucher in den Schulbänken saßen. Der Altar musste speziell für den Gottesdienst auf- und wieder abgebaut werden. Nach dem Kauf der bisherigen katholischen Kirche 1969 und deren Renovierung durch die evangelische Kirchengemeinde feierten die evangelischen Christen ihre Gottesdienste seit 1971 in der Markus-Kirche.

In den Jahren nach der Aufgabe als Schulhaus wurde das Gebäude auf verschiedene Weise genutzt:
Nach der Schließung als Schule 1963 zog zunächst bis 1965 ein Ingenieurbüro in die Räume ein. Danach wurde ein Zimmer im Erdgeschoss sogar kurzfristig als Wohnung benutzt. Vom 7.7.1969-14.2.1979 befand sich im linken Teil des Erdgeschosses eine Filiale der Kreissparkasse Bamberg, im rechten Teil von 1966-1981 die Poststelle. Nach dem Auszug von Kreissparkasse und Post ließ sich 1980 zunächst eine Fahrschule und von 1981-1985 ein Schreib- und Kurzwarengeschäft in diesen Räumen nieder.

Gleichzeitig wurde das Gebäude auch immer als Gemeindeverwaltung genutzt. 1945 wurde die Gemeindekanzlei von der Wohnung des Bürgermeisters in den rechten Raum im Erdgeschoss verlegt, wo sie bis 1966 blieb, um dann in das Obergeschoss umzuziehen. 1969 erfolgte ein Umbau des Schulsaals im Obergeschoss zum Sitzungssaal, Bürgermeisterzimmer und Verwaltungszimmer mit Kasse. Bis zum Umzug in das neue Rathaus in der Karmelitenstraße blieb die Gemeindeverwaltung nun in diesen Räumen.

Bei Renovierungsmaßnahmen in den Jahren 1987-1990 wurden die zugemauerten Fenster auf der Westseite wieder geöffnet und mit Sprossenfenstern versehen. Auch im Untergeschoss wurden die ein- und zweiflügligen Fenster gegen Sprossenfenster ausgetauscht. 1990 ersetzte man die Granittreppe durch eine Sandsteintreppe und brachte ein neues Metallgeländer an.

Nach diesen Umbauten wurden die Räume von der Volkshochschule Bamberg-Land für ihre Kurse, von der Jugendblaskapelle für Proben und Ausbildung, von der Kreismusikschule für Unterricht und vom Gesangverein Gundelsheim für seine wöchentlichen Gesangsstunden genutzt.

2011-2012 wurde  eine energetische Sanierung und Totalrenovierung der gesamten Räume im Unter- und Obergeschoss durchgeführt. Zusätzlich erfolgte ein Anbau, in dem das Generationenbüro und eine Teeküche sowie Heizung und Sanitäranlagen Platz fanden. Im Wesentlichen wird das Gebäude nun als Kulturrathaus genutzt; der Saal im Obergeschoss ist auch als Trauungssaal gedacht.

Obwohl das Gebäude mehr als 100 Jahre als Schulhaus und nur 36 Jahre als Gemeindeverwaltung gedient hatte, hat sich die Bezeichnung „Altes Rathaus“ in der Bevölkerung eingebürgert.

Maria Köppl